Hier haben wir eine kleine Sammlung von Gedichten zusammen getragen, die uns etwas bedeuten, unseren Kummer ausdrücken oder einfach nur trösten!

 

Unsere Toten sind nicht abwesend,

sondern nur unsichtbar.

Sie schauen mit ihren Augen

voller Licht

in unsere Augen voller Trauer.

Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang,

nur vor dem Tod derer, die mir nah sind.

Wie soll ich leben,

wenn diese Menschen nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich mich entlang

und lass mich willig in das Dunkel treiben.

Das Gehen schmerzt nicht halb so viel

wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr

und die es trugen wissen eben –

Den eigenen Tod, den stirbt man nur,

doch mit dem Tod der anderen

muss man leben!

Mascha Kalenko

 

 

Noch kann ich nur schwerlich ermessen, wie reif mich der Abschied gemacht.

Die Wunde wird nie in mir heilen, im Schmerze gehörst du mir ganz.

So will ich die Nacht mit dir teilen, als wäre sie Traum oder Tanz.

Du bist mir noch enger verbunden als jemals im Leben davor,

so habe ich wieder gefunden, was kurz an den Tod ich verlor.

Ich werde dich zärtlicher halten, als je es im Alltag gelang,

wo andere Maßstäbe galten und eins um das andere rang.

Wie innig sich Seelen umschweben, sei deine Gestalt mir verblicht!

Ich lebe ein doppeltes Leben: Je eins für dich und für mich!

 

Gedichte von Hannelore Rohrmoser, unserer Leiterin der SHG Augsburg

Sie sind gegangen

Wir können darüber weinen, dass sie gegangen sind,

oder wir können lächeln, weil sie gelebt haben.

Wir können unsere Augen schließen und beten, dass sie wiederkommen,

oder wir können sie öffnen und sehen, was sie zurückgelassen haben.

Unser Herz kann leer sein, weil wir sie nicht sehen können,

oder es kann voll der Liebe sein, die sie für andere hatten.

Wir können immer daran denken, dass sie gegangen sind,

oder wir können sie im Herzen tragen und in uns weiterleben lassen.

Wir können weinen und ganz leer sein,

oder wir können tun, was sie von uns wollten:

dass wir lächeln, unsere Augen öffnen, Liebe geben und weitergehen.

Hannelore Rohrmoser

 

Es fehlt einer

Wir wären eigentlich vier, und sind doch nur drei,

denn es fehlt einer und doch fehlt keiner,

denn einer ist immer dabei.

Wir wären eigentlich vier, vier Menschen, eine Familie,

die durchs Leben gingen, vier, die gemeinsam Freud und Leid teilten,

vier, die zusammen lachten und Geheimnisse hatten,

vier waren’s, die oft Späße machten,

aber wir sind nur drei,

denn es fehlt einer und dennoch fehlt keiner,

denn einer ist immer dabei.

Dabei, wo drei gehen und singen,

dabei, wo drei lachen und Späße machen.

In Wirklichkeit kann uns niemand trennen.

Auch, wenn es so aussieht, als wär’n wir nur drei …,

denn einer ist immer dabei.

Hannelore Rohrmoser

 

Hinter dem Regenbogen

Eine Erinnerung an unsere geliebten Kinder

 

Hinter dem Regenbogen, wo die Welt am schönsten, hellsten und buntesten ist, dort suchen wir euch.

Ihr seid uns so fern, aber dennoch fühlen und spüren wir euere Nähe.

Ihr gebt uns jeden Tag aufs Neue Kraft in vielen Dingen, damit wir sicher sind, ihr seid ganz nah bei uns.

Wir würden euch so gerne wieder über den Kopf streicheln und liebe Worte sagen,

so wie wir es so oft gemacht haben, das fehlt uns unendlich.

Ihr fehlt uns unendlich.

Wir hatten so viele lustige Erlebnisse miteinander, die manche oft an den Rand der Verzweiflung gebracht haben,

es war immer einmalig mit euch.

Ihr seid einmalig.

Ihr liebtet die Sonne so sehr wie den Schnee, auch das trübe Wetter hat euch nichts ausgemacht,

ihr hattet zu jeder Zeit Spaß mit allem. Wir konnten so viel zusammen lachen, es war einfach wunderbar.

Ihr seid wunderbar.

Unser Leben ist jetzt anders geworden ohne euch.

Wir haben versucht wieder zum Leben zurückzufinden, es ist nicht einfach gewesen,

aber wir haben uns sehr viel Mühe gegeben.

Doch das Unbeschwerte, das einfache Glücklichseindürfen,

das herzliche Lachen und die Freude über jede Kleinigkeit hat sich gewandelt in

„Leben in der Zeit danach".

Stets ist ein Hauch Wehmut in unseren Gefühlen, wir sind so verletzlich und sehr einsam geworden.

Dennoch, unser Leben hat jetzt einen tieferen Sinn erhalten, wir suchen den Weg zu unserer Mitte und wir wissen ganz bestimmt:

Ihr helft uns dabei.

Hannelore Rohrmoser

 

Im Traum

 

Im Traum empfange ich deine Botschaft, du sagst, es geht dir gut in deiner neuen Welt,

du bist glücklich dort, du willst auch mich glücklich sehen.

Dein Kreis des Lebens hat sich zu einem Ring geschlossen,

den du in meine Hände legst in Liebe und Verbundenheit.

Ich muss erst meinen Kreis vollenden, dann darf ich sein, wo du schon bist,

in einer anderen Form des Lebens, der Liebe, Freiheit und des Glücks.

Du sagst: wir sind doch nicht verloren, nur unsere Wege sind getrennt.

Betrachte die Zeit mit mir hier auf Erden als ein wunderbares Geschenk.

Du sagst, du brauchst mein lächelndes Gesicht, mein frohes Herz,

das macht dich glücklich, macht dich frei.

Ich empfange deine Botschaft, ich verstehe Ihren Sinn.

Das Was ist einfach zu begreifen, doch sag’, wie setze ich es um?

Ich vermisse dich hier auf Erden, auch wenn ich weiß, du bist mir nah.

Wie geh’ ich um mit meiner Sehnsucht, mit all meinen Gefühlen und Erinnerungen?

Ich weiß, ich muss es akzeptieren, auch wenn es schwer und schmerzlich ist.

Hilf mir dabei, weiter zu leben, bis ich in deiner Welt einst bin.

Hannelore Rohrmoser

 

Text aus "Tore des Gebets", einem reformierten jüdischen Gebetbuch

 

Beim Aufgang der Sonne und bei ihrem Untergang erinnern wir uns an sie.

Beim Wehen des Windes und in der Kälte des Winters erinnern wir uns an sie.

Beim Öffnen der Knospen und in der Wärme des Sommers erinnern wir uns an sie.

Beim Rauschen der Blätter und in der Schönheit des Herbstes erinnern wir uns an sie.

Zu Beginn des Jahres und wenn es zu Ende geht erinnern wir uns an sie.

Wenn wir müde sind und Kraft brauchen, erinnern wir uns an sie.

Wenn wir verloren sind und krank in unserem Herzen, erinnern wir uns an sie.

Wenn wir Freude erleben, die wir so gern teilen würden, erinnern wir uns an sie.

So lange wir leben

werden sie auch leben,

 denn sie sind nun ein Teil von uns,

wenn wir uns an sie erinnern!